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Wir empfehlen: | |||||||||||||
Stranitzkys Wiener Volksstück geht aus dem Erbe des
Barockdramas hervor und ist als komisches Stehgreifstück noch von der
commedia dell´arte beeinflußt.
Über Prehausers Burleske reicht der Weg - nach der
literarischen Verfestigung durch Ph. Hafner im 18. Jahrhundert - zum
Zauberstück und der gemüthaften Tragikomik Raimunds (mit Einfluß
auf Grillparzer) und über zahlreiche Zwischenglieder zu Nestroys scharfer
Satire und volkstümlichen Parodie und Travesie, während aus dem
Charakterlustspiel -> Lokalstück und ->
Sittenstück
entstehen.
Anzengrubers realistisches Volksstück führt wie
vordem schon Raimund in die bäuerliche Umwelt und nunmehr auch in die
soziale Problematik, wie sie Hawel fortsetzt.
Während das bayrische Volksstück (Thoma) mehr
bäuerlicher Situations-
romantik zuneigt, kann das psychologische Bauernstück
der Alpenländer (Schönherr) nur noch im weitestem Sinn als
Volksstück bezeichnet werden.
(--> Lokalstück)
Das Volksstück ist eine Form des Schauspiels
für das Volk und über das Volk (breite Masse der
Bevölkerung im Gegensatz zu den “Oberen”). Es ist im Gegensatz
zum Theater der Oberschicht (Hoftheater) ein Theater des
Volkes.
Damit zeigt sich, daß echte Volksdramatik
Alternativdramatik zum Bildungsthaeter ist.
Bis ca. 1840 können die untersten, einkommensschwachen
Bevölkerungs-
schichten die in den damaligen Vorstädten Wiens
liegenden Volkstheater zu günstigen Preisen besuchen (Theater in der
Leopoldsstadt, Theater an der Wieden/Wien, Theater in der Josefstadt). Ab 1840
wird dann das Volk immer mehr ausgegrenzt: steigende Preise - diese Theater
müssen ihre Ausgaben durch den Kartenverkauf decken - erlauben nur mehr
bürgerlichen, später großbürgerlichen Kreisen den Besuch.
Diese Entwicklung zeigt sich auch in den großen Städten
Deutschlands.
1899 wird in Wien das Deutsche Volkstheater, 1890 in
Berlin die freie Volksbühne gegründet. Diese Institutionen
werden vom intellektuellen Bürger-
tum getragen und wollen einerseits neue Publikumsschichter
für das Theater gewinnen, andererseits die sozialen Probleme und Nöte
des Arbeiterstandes auf-
zeigen. Aufgeführt werden hier u. a. auch Dramen von
Gerhart Hauptmann, Ludwig Anzengruber oder Henrik Ibsen.
Neben diesen Theatern, die ihre Arbeit vorwiegend als
Bildungsauftrag verstehen, existieren Volkstheater, die anspruchslose, rein
unterhaltende Programme spielen und idyllische Heimatklischees transportieren.
Damit verkommt das Volksstück zur Klamotte oder zum kitschigen
Heimat- bzw. Bauerntheater. Die Stücke des engagierten Volkstheaters tragen
bis in unsere Zeit die verschiedensten Bezeichnungen. Oft verwendet werden
Ausdrücke wie Zaubermärchen (bei Raimund), Lustspiel/Posse (bei
Nestroy), Schwank oder auch Operette, die in Wien ab 1850 als musikalische
Weiterentwicklung des damaligen Volkstheaters gilt.
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